Glasmalereibestand 14. Jh - 16. Jh an St. Lorenz und St. Sebald Nürnberg

DBU Forschungsprojekt - Bewertung zurückliegender Erhaltungsmaßnahmen; Möglichkeiten einer Klimastabilisierung für Glasmalereibestände

Die Kirchen St. Sebald und St. Lorenz besitzen einen umfangreichen mittelalterlichen Bestand an Farbverglasungen des 14. bis 16. Jahrhunderts.
Allein der Sebalder Bestand umfasst 510 Einzelscheiben mit ca. 250 m² Fläche.
Kaum eine Glasmalerei befindet sich noch in ihrem ursprünglichen Zustand. Die Oberflächen wurden wiederholt restauriert.
Der besorgniserregende Erhaltungszustand der Verglasungen machte eine grundlegende Evaluierung der gängigen Restaurierungspraxis notwendig.

Als Ursache der vorgefundenen Schäden war das Zusammenwirken unterschiedlicher Einflussfaktoren zu klären. Diese waren:

• Herstellungstechnik der Gläser
• Material und Methode vorangegangener Restaurierungen
• Exposition der Fenster
• Luftverschmutzung
• Raumklima

Die Bundesstiftung Umwelt DBU bewilligte hierfür das Forschungsprojekt „Evaluierung schadstoffmindernder Schutzmaßnahmen an den spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen national wertvollen Glasfenstern der Sebalduskirche in Nürnberg“ welches in einem interdisziplinären Team aus Restauratoren, Naturwissenschaftlern und Bauphysikern übertragbare Lösungsansätze für diese Problematik erarbeitete.

Als Schadensursache wurde das Zusammenwirken folgender Einflussfaktoren erkannt:
 
• Materialeigenschaft Glas
• Unverträgliches Zusammenwirken von Materialien jüngerer Restaurierungseingriffe
• Zusammenwirken biologischer Kontamination und klimatische Bedingungen
• Einfluss Luftfeuchte, Temperatur, Taupunkte, Eisbildung, Wechselbeanspruchung

Das Projektergebnis ermittelte Grundlagen und Potentiale der Einflussmaßnahme. Das sind:
  
• Fragiler Bestand mittelalterlicher Gläser mit aufliegenden meist irreversiblen
  Beschichtungen
• Einzige Einflussnahme durch Schaffung eines stabilen Klimakorridors an der Glasmalerei
• Einsatz maßgeschneiderter Schutzverglasungen in Abhängigkeit von Orientierung und
   baulichen Rahmenbedingungen zu Temperatur- und Feuchtereduzierung
• Umsetzung mit IR- und UV-Strahlen absorbierenden Gläsern an Schutzverglasung sowie einer Spalttemperierung

Diese modellhaften Lösungsansätze führten in Folge an St. Sebald und St. Lorenz zum Einbau unterschiedlicher Schutzverglasungssysteme mit und ohne Spaltbeheizung. Das Monitoring zur Effektivität zeigte in den Folgejahren, dass der eingeschlagene Weg einer Klimastabilisierung generell richtig ist, jedoch die gewünschten Ziele nicht erreicht wurden. Die Spaltbeheizung erwies sich dabei als sehr kostenaufwändig. Im Rahmen der visuellen Beobachtungen konnten weder die tatsächliche Leistungsfähigkeit noch der Kostenaufwand der eigesetzten Schutzverglasungen bilanziert werden.

Das zweite DBU Projekt
Um die komplexen thermodynamischen Prozesse im Nahfeld der Glasmalerei zu analysieren und eine stabile Klimaregelung für eine wartungsarme und energieeffiziente technische Umsetzung mit angemessenem Investitionsaufwand zu entwickeln, wurde der Fachbereich Regelungs- und Messtechnik im Arbeitsteam eines weiteren DBU Förderprojektes hinzugezogen. Antragstitel war: „Möglichkeiten einer Klimastabilisierung für durch anthropogene Umwelteinflüsse geschädigte Glasmalereibestände am Beispiel von St.Sebald in Nürnberg“.

Das Projektergebnis lieferte für die Baupraxis differenzierte Planungskriterien für maßgeschneiderte technische Lösungen:

• Restauratorische Anforderung des Glasbestandes
• Klimabedingungen Standort
• Exposition Glasmalerei
• Zumutbare Energiekosten
• Wahl Wärmedurchgangskoeffizient, Beschichtungsart und Beheizung des Schutzglases nach Himmelsrichtung
• Regelung Scheibenheizung über relative Luftfeuchte

DBU Forschungsprojekt: 2002-2004 Bewertung zurückliegender Erhaltungsmaßnahmen am Glasmalereibestand und Umsetzung und Bewertung von klimaregulierenden Schutzmaßnahmen

DBU Forschungsprojekt 2013-2016: Möglichkeiten einer Klimastabilisierung für geschädigte Glasmalereibestände

Förderung
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD)
Bruckmayer Stiftung
Zukunftsstiftung Sparkasse Nürnberg

Es wird empfohlen mindestens Internet Explorer Version 9 zu verwenden oder einen anderen Browser.

Glasmalereibestand 14. Jh - 16. Jh an St. Lorenz und St. Sebald Nürnberg

DBU Forschungsprojekt - Bewertung zurückliegender Erhaltungsmaßnahmen; Möglichkeiten einer Klimastabilisierung für Glasmalereibestände

Baujahr 2016

Leistung Sondermaßnahme

BK -

Bauherr:
Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Sebald und St. Lorenz

< zurück Projektdetails >